Rekordverdächtig: Kreisverkehr mit 46 Ampeln – keine Chance per Fuß und Rad

Mit rekordverdächtigen 46 Ampeln startete in Halle der neue Kreisverkehr am Weinbergcampus. Wer nun glaubt, diese Irrsinnszahl wird von den zuständigen VerkehrsplanerInnen demütig verschwiegen, weil sie Inkompetenz in allen Bereichen beweist, der irrt. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ feiert die Verkehrsplaner dafür, denn – und das ist das Wichtigste überhaupt! – der Autoverkehr rollt und rollt und rollt. Und wenn Sie sich fragen, was hat Frau Ranft dagegen, wenn es rollt? Die Erklärung folgt.

Nichts gegen Kreisverkehre

Zunächst: Ich liebe Kreisverkehre! Sie machen den Verkehr sicherer, da alle Autos ihre Geschwindigkeit bei der Anfahrt reduzieren müssen. So kommt es maximal zu eher glimpflichen Auffahrunfällen. Außerdem vermeiden Kreisverkehre das sinnlose Warten auf Grün an leeren Kreuzungen.

Wer einmal in England mit dem Auto unterwegs war, wird sich bestimmt in die vielen kleinen und großen Kreisverkehre verliebt haben. Sie garantieren immer einen seichten Verkehrsfluss. Für Halle kann ich aus dem Stand 10 hallesche Kreuzungen nennen, die mit einem Kreisverkehr – natürlich OHNE Ampeln – besser dran wären, als mit herkömmlichen Ampelkreuzungen.

Halle macht Fortschritt zur Lachnummer

Aber in Halle (Saale), ja da sind wir besonders fortschrittlich: Wir kombinieren Ampeln und Kreisverkehr und nennen es dann Kreisel mit Lichtsignalanlagen. Da aber wenige Ampeln vernünftig wären, kann sich in Halle die Unvernunft so richtig ausleben. Tatsächlich hat die Ampelmafia 46 Ampeln aufgebaut, verkabelt und zum Leuchten und Blinken gebracht. Ja, Halle kleckert nicht, es klotzt!

Aus dem Klotzen, wird das Kotzen

Doch was für die stolzen Verkehrsplaner von Halle der Grund zum gegenseitigen Schulterklopfen ist, bringt viele Verkehrsteilnehmer*innen zum Kotzen. Konnte ein*e Radfahrer*in bisher ziemlich zügig am Weinbergcampus entlangradeln, ist die Verkehrsführung nun extrem unübersichtlich geworden. Jetzt müssen alle Nicht-Autos viele, viele, viele Male anhalten.

Ein Fahrrad ist kein Auto und ein Fußgänger ist kein Auto. Wenn die Straße frei ist, radeln oder laufen sie los. Das ist jetzt am Weinbergcampus extrem gefährlich, denn die sinnfreie Verkehrsführung macht es fast unmöglich zu sehen, ob und wann ein Auto kommt.

Fazit: Halles Verkehrsplaner denken immer noch wie 1990

Für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen hat sich zum einen die Durchlassgeschwindigkeit vergrößert und ist der der Kreisverkehr durch zu viele extra Spuren und Ampeln viel unübersichtlicher geworden, was beides dazu führt, dass der Kreisverkehr für diese Verkehrsteilnehmenden auch viel gefährlicher geworden ist.

Solange das Primat der Verkehrsplanung beim Auto liegt und nur darauf geachtet wird, dass dessen Durchfahrgeschwindigkeit sich erhöht, solange kommen schwachsinnige Kreisverkehre mit 46 Ampeln heraus.

Meine Forderung: Halle muss sich endlich zu Fuß- und Radverkehr und öffentlichen Nahverkehr als besonders bedeutendem Verkehrsträger bekennen. Darauf müssen die Planungen ausgerichtet werden. Der ADFC und der Runde Tisch Radverkehr müssen federführend in alle Verkehrsplanungen der Stadt einbezogen werden.

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