Integration oder wie unser Bildungsminister mein Held wird

Brennpunktschulen, Migrationsschulen – es gibt viele Worte, die deutlich machen, was in einigen Schulen in Halle und anderen Orten in Sachsen-Anhalt an der Tagesordnung ist: Viele Geflüchtete stehen einem kleinen Teil von deutschsprachigen Kindern gegenüber. Aber unser Bildungsminister Marco Tullner weiß natürlich, was zu tun ist.

Wir müssen nichts schönreden, in Halle gibt es Schulen an denen 50 Prozent Geflüchtete lernen. An einigen Schulen sind es sogar mehr als 70 Prozent und die Tendenz ist steigend. Was sicher besorgniserregend klingt, aber nicht besorgniserregend sein muss. Wir haben nämlich in Sachsen-Anhalt, den vorausschauendsten Bildungsminister der Welt.

Er meint aktuell wohl noch, Investitionen in die Bildung von Geflüchteten, sei für WählerInnen unattraktiv. Und rechnet mit den vielen derzeit Fremd-WählerInnen, die er so zurückgewinnen möchte. Deshalb will Herr Tullner einfach so weitermachen wie bisher und schauen, dass die Migrantenkinder sich möglichst schnell in Wohlgefallen auflösen. Vielleicht werden sie auch abgeschoben oder fliegen auf beflügelten Einhörnern davon. Wer weiß? Und dann ist alles feini-fein und die CDU bleibt die einzig echte Volkspartei schlechthin.

Soweit zur Theorie doch wie sieht die Realität aus?

Jetzt schon ächzen die Unternehmen, dass sie Sorgen haben, Arbeitskräfte zu bekommen. Gerade in den ostdeutschen Ländern ist dieses Problem besonders groß, da hier mehr als im Westen der Nachwuchs fehlt. Pflegekräfte, für die immer älter werdenden Menschen? Ebenfalls Fehlanzeige! Demografisch gesehen steuern wir auf einen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Kollaps zu.

Auf der anderen Seite haben wir nun viele junge Menschen, die sich extrem gerne einbringen würden. Sie wollen teilhaben an dieser Gesellschaft, hier arbeiten und hier leben. Doch warum will das Bildungsministerium diese Möglichkeit, diese Chance nicht nutzen?

Integration ist keine Katastrophe, sondern eine Chance

70 Prozent Geflüchtete an einer deutschen Schule – das klingt nach einer Katastrophe – ist es aber nicht. Auch dort ist Integration möglich.

Aber wie?

Sicherlich würde die perfekte schulische Integration so aussehen, dass an allen Schulen mehr deutschsprachige als nichtdeutschsprachige SchülerInnen lernen. So läuft das Deutschlernen für die Migrantenkinder quasi nebenbei ab. Wenn die FreundInnen und MitschülerInnen sich alle in Deutsch unterhalten, dann wird die Sprache von einem jungen Hirn aufgesogen. Die Schule kann sich dann vor allem auf die Vermittlung des deutschen Fachwortschatzes und des Schulwissens konzentrieren. In diesen Schulen hätten alle SchülerInnen die gute Chancen, auf eine Berufsausbildung, auf ein Studium und auf einen Job sowie ein erfülltes Leben.

Leider sind wir nicht bei „Wünsch Dir Was“

Soweit die Traumwelt. Die Realität sieht so aus, dass wir sogenannte Brennpunktschulen oder auch Migrationsschulen haben. Mit diesen Begriffen hat die Landtagsfraktion der LINKEN diese Schulen bezeichnet. Hier regelt die Hausordnung, dass die Unterrichtssprache deutsch ist. Sicherlich ist Migrationsschule keine Bezeichnung, die Eltern und SchülerInnen Lust auf eine Bildungsanstalt macht. Allerdings sind es Bezeichnungen, die den Finger in die Wunde legen. Sie sagen klar, was an diesen Schulen Alltag ist: Es brennt im übertragenen Sinn. Migrantenkinder stranden dort und dann müssen Schulleitung und LehrerInnen mit ihren begrenzten Mitteln irgendwie schauen, dass sie die Kinder unterbringen. Meist ist es in diesen Schulen schon ein Erfolg, wenn die Geflüchteten halbwegs die deutsche Sprache lernen. Zeit und Kraft für Wissensvermittlung in den einzelnen Schulfächern bleibt dabei kaum.

Die Landespolitik könnte klar Stellung beziehen

Sicherlich könnte die Landespolitik klar anerkennen, dass es diese Schulen gibt. Und sie könnte für diese Schulen mehr Geld ausschütten. So könnten mehr Lehrkräfte, mehr SchulsozialarbeiterInnen und mehr Sprachlehrkräfte eingestellt werden. Es könnten auch viele Ganztagsangebote aufgebaut werden. Dafür muss man nicht einmal flächendeckend mehr Geld in die Hand nehmen. Es wäre ein erster Schritt, wenn für Schulen mit mehr als, sagen wir einfach mal 50 oder 60 Prozent Geflüchteten, diese Sondergelder zur Verfügung stehen würden.

Die Politik muss sich also dafür entscheiden, diese Schulen als Fakt anzuerkennen. Dann muss sie Ressourcen bereitstellen, denn Integration kostet. Das ist uns allen klar.

An die Alternative will ich gar nicht denken. Was an Kosten auf das Land zukommen, wenn ein Heer aus nicht ausgebildeten Menschen aus den Schulen kommt und quasi automatisch in die Arbeitslosigkeit rutscht.

Irrender Minister

Bildungsminister Tullner irrt, wenn er meint, dass Investition in die Bildung von Geflüchteten für ihre Wählerinnen und Wähler unattraktiv wäre. Nein, genau anders herum wird ein Schuh draus. Integration ist attraktiv, Ausbildungs- und Arbeitsplätze warten auf Geflüchtete mit Deutschkenntnissen und mindestens einem Hauptschulabschluss. So fischt man Wählerstimmen. Mit Inhalt und Vision. Der noch irrende Bildungsminister müsste das nur erkennen. Die Wirtschaft würde boomen – Wirtschaft das ist doch die Kernzielgruppe seiner CDU – und die Länder würden blühen und der Bildungsminister wäre mein Held 😉