Gut, dass Hansemann das nicht miterleben muss

Die ARD wird die „Lindenstraße“ absetzen. Das ist für mich ein kleiner Schock. Gut es wird zwar erst im März 2020 die letzte Folge über den Bildschirm laufen, aber ich verstehe nicht – weshalb nicht irgendetwas so bleiben darf, wie es ist.

Am Freitag letzte Woche hieß es, die „Lindenstraße“ würde abgesetzt. Die ARD hat sich darauf geeinigt, die Serie im Frühjahr 2020 auslaufen zu lassen. Damit wird eine Institution aus dem deutschen Fernsehen verschwinden. Immerhin lief die Serie über 34 Jahre und prägte bei vielen Menschen den Sonntagabend.

Bei mir gab sie sogar in einer Phase meines Lebens die Zeit vor, wann ich am Sonntag spätestens zu Hause sein wollte. Eine Folge verpassen? Nein, bloß nicht! Das ist heute nicht mehr so, ich kann ja die Folgen im Netz ansehen.

Doch nicht so unerwartet?

Auch wenn mich die Nachricht kalt erwischte, so unerwartet kam sie dann doch nicht. Irgendwie hatte ich es gefühlt, dass die „Lindenstraße“ in absehbarer Zeit zu Ende geht. Besonders nach dem der Produzent Hans W. Geißendörfer die Serie in die Hände seiner Tochter gab, verlor sie etwas Flair. Auch das Ableben von Hans Beimer, war sicher keine kluge Entscheidung und ein Vorbote des Serien-Endes. Ich hatte mich eh schon gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn nicht Vater, sondern Mutter Beimer gestorben wäre. Dann wäre die Serie wohl jetzt schon beendet.

Begleiter seit meiner Jugend

Die Lindenstraße hat mich durch meine Jugend begleitet. Dann gab es eine längere Pause und ich kam als Erwachsene wieder zu ihr. Natürlich habe ich es in den letzten Jahren kaum um 18:40 Uhr bzw. 18:50 Uhr vor das Fernsehgerät geschafft. Online habe ich aber immer alles nachgeholt. Selbst wenn es mal vier Folgen am Stück waren, die ich ansehen musste, um wieder auf dem Laufenden zu sein. Das ist dann wirklich Zeit für mich.

Darum liebe ich die „Lindenstraße“

Gesellschaftspolitische Themen wurden in der Serie immer wieder aufgegriffen, wenn auch oft überspitzt in ihrer Darstellung. Da war etwa der erste Männerzungenkuss im deutschen Fernsehen oder der generelle Umgang mit Liebe und Leidenschaft. Außerdem ging es um Gleichstellung, Neid, Trauer, Krankheit oder die Integration von ehemaligen DDR-BürgerInnen. Und natürlich ist auch die Flüchtlingsdebatte nicht an der „Lindenstraße“ vorübergegangen.

Das Letzte was ich aus der Serie gelernt habe war, dass es Vaporisatoren gibt, die Menschen mit Parkinson und anderen Krankheiten enorm helfen. Ich habe meinem Vater einen besorgt und er kommt damit sehr gut klar.

Wird Klausi dünn bleiben?

Ich bin traurig über das bevorstehende Ende der Serie. Und ich bin sauer, weil ich nun nie erfahren werde, ob Klausi wirklich lange dünn bleiben wird. Überhaupt interessiert mich doch die ganze Welt der „Lindenstraße“, ob und wie sich dort alles weiterentwickelt – das werde ich ab 2020 nicht mehr sehen.

Gerade in einer Zeit, in der Serien absolut en vogue sind, verstehe ich nicht, weshalb dieses Serien-Urgestein weichen muss. Kann nicht irgendetwas so bleiben, wie es ist?